- Start der historischen Aufarbeitung: 2023
- Untersuchungszeitraum: 1907 bis 1945
- Acht wissenschaftliche Teilprojekte
- Unabhängige Begleitung durch einen wissenschaftlichen Beirat
- Fünf Monografien, zwei Bildbände sowie eine Ausstellung in Vorbereitung
- Abschluss des Gesamtprojekts: Ende 2026
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat erste Ergebnisse seines Projekts zur historischen Aufarbeitung der eigenen Vorgängerorganisationen vorgestellt. Seit 2023 untersuchen Historikerinnen und Historiker die Bedeutung der DLR-Vorgänger für die Entwicklung der deutschen Luftfahrtforschung. Der Zeitraum reicht von der Gründung der Modellversuchsanstalt der Motorluftschiff-Studiengesellschaft (MVA) im Jahr 1907 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Ergebnisse zeigen die wissenschaftlich-technischen Leistungen der Einrichtungen und deren Einbindung in politische und militärische Strukturen ihrer Zeit.
„Als DLR stehen wir zu unserer Verantwortung, unsere Vergangenheit nicht nur zu dokumentieren, sondern auch Lehren daraus zu ziehen“, sagt die Vorstandsvorsitzende des DLR Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla. „Unser Ziel ist es, die Geschichte für uns und für die Öffentlichkeit aufzuarbeiten und transparent zu machen. Damit wollen wir das Bewusstsein für die Herausforderungen von Wissenschaft und Technik in unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Kontexten stärken.“
Die Wurzeln des DLR reichen bis in die Anfänge der modernen Luftfahrtforschung zurück. Bereits die 1907 gegründete MVA in Göttingen gehörte zu den ersten Einrichtungen ihrer Art weltweit. Aus ihr entwickelte sich später die Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA). Dort wurden Grundlagen gelegt, welche die Luftfahrt bis heute prägen. Gleichzeitig macht die historische Forschung deutlich, dass wissenschaftliche Arbeit insbesondere in Zeiten von Krieg und Diktatur nicht losgelöst von politischen Rahmenbedingungen betrachtet werden kann.
Acht Teilprojekte untersuchen Geschichte bis 1945
Für die historische Aufarbeitung vergab das DLR acht europaweit ausgeschriebene Forschungsprojekte. Sie befassen sich mit unterschiedlichen Zeitabschnitten und Fragestellungen zur Entwicklung der DLR-Vorgängerorganisationen während des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Ein unabhängiger wissenschaftlicher Beirat begleitet die Arbeiten und sichert die Transparenz des Projekts.
„Um zu verstehen, wie sich die Luftfahrtforschung in Deutschland entwickelt hat, ist es notwendig, auch die Vorgeschichte der DLR-Vorläufer aufzuzeigen“, sagt Dr. Jessika Wichner, Leiterin des Zentralen Archivs des DLR. „Die Forschenden haben zahlreiche neue Quellen ausgewertet und damit wichtige Forschungslücken geschlossen. Dadurch entsteht ein deutlich umfassenderes Bild der wissenschaftlichen Entwicklungen und ihrer historischen Rahmenbedingungen.“
Zu den bislang vorliegenden Ergebnissen zählen mehrere Monografien, in denen insbesondere die Vorläuferorganisationen des DLR in Göttingen, Berlin und Braunschweig betrachtet werden. Die Studien beleuchten unter anderem die Entwicklung der Aerodynamischen Versuchsanstalt und der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL), Innovationsprozesse in der Luftfahrtforschung sowie den Umgang mit Verfolgung, Zwangsarbeit und Menschenversuchen während der NS-Zeit.
Die ersten vier Teilprojekte der DLR-Geschichtsaufbereitung
- Band 1: Zwischen Weltkrieg, Versailler Vertrag und Wiederaufrüstung
- Band 2: Forschen und Prüfen für eine Nation des Fliegens
- Band 3: Verfolgung, Menschenversuche, Zwangsarbeit
Band 4: Höher, schneller, weiter – langsamer


