Älteste Wissenschaftsakademie der Welt zeichnet den Göttinger Forscher aus

Sami Solanki zum Mitglied der Royal Society gewählt

Prof. Dr. Sami K. Solanki

  • Hohe Auszeichnung: Die Mitglieder der Royal Society haben Sami K. Solanki in ihre Reihen aufgenommen und zum Fellow der britischen Wissenschaftsakademie gewählt.
  • Aktive Sonne: Sie würdigen damit Solankis bedeutende Beiträge zum Verständnis des dynamischen Wesens unseres Sterns, seines Magnetismus und seiner Aktivität.
  • Sonnenteleskope: Solanki erforscht die Sonne mit Hilfe bodengebundener Teleskope sowie solcher an Bord von Weltraum- und Ballonmissionen.
  • Vielfältiger Blick: Zudem blickt er in die Vergangenheit der Sonne und vergleicht ihr Verhalten mit dem sonnenähnlicher Sterne. 

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Sonne besonders explosiv gezeigt: Mehrfach kam es zu so heftigen Teilchen- und Strahlungsausbrüchen, dass Polarlichter sogar über Deutschland zu sehen waren, zuletzt im Januar dieses Jahres. In anderen Phasen ist unser Stern deutlich zahmer. Am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung betreibt Direktor Sami K. Solanki zusammen mit seiner Abteilung „Sonne und Heliosphäre“ eine Art „solarer Ursachenforschung“: Wie kommt es zu diesem Wechsel von Wutausbrüchen und Ruhe? In welchen weiteren Eigenschaften manifestiert sich das launische Wesen unseres Sterns? Und welche Prozesse stecken dahinter? Auf der Suche nach Antworten hat der Göttinger Forscher unser Verständnis der Sonne maßgeblich geprägt. Ihr komplexes und veränderliches Magnetfeld konnte er als Motor für verschiedenste Phänomene identifizieren: von kleinsten Mini-Strahlungsausbrüchen in der heißen Sonnenatmosphäre bis hin zu gewaltigen Protuberanzen, riesigen Plasmawolken, die tausende von Kilometer weit ins All ragen. 

Das Magnetfeld der Sonne ist ihr zentraler Taktgeber. Es bestimmt ihr ruhiges wie auch ihr explosives Verhalten und ist der Schlüssel zum Verständnis unseres Sterns. Sami K. Solanki, MPS-Direktor

Solanki setzt auf einen vielfältigen Blick auf die Sonne: mit hoher Auflösung, über lange Zeit, möglichst ununterbrochen und aus neuen Blickwinkeln. Zu diesem Zweck ist das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung unter seiner Leitung an innovativen Sonnenteleskopen auf der Erde beteiligt sowie an zahlreichen Weltraummissionen wie etwa Solar Orbiter, Vigil, STEREO, MUSE, Solar C und Aditya. Viele dieser Projekte hat Solanki angestoßen oder maßgeblich mitgestaltet und vorangetrieben. Zudem hat er die Mission Sunrise ins Leben gerufen. Aus der Stratosphäre hat das ballongetragene Sonnenobservatorium bereits dreimal auf die Sonne geschaut und einzigartige Messdaten eingefangen.

Hinweise auf das langfristige Verhalten der Sonne sucht Solanki in ihrer Vergangenheit. Natürliche Archive wie Baumringe und Bohrkerne aus dem ewigen Eis der Arktis geben Zeugnis vergangener Sonnenaktivität. Zudem vergleicht er unseren Stern mit seiner „peer group“: tausenden sonnenähnlichen Sternen. Auf diese Weise konnte der Göttinger Forscher beispielsweise zeigen, dass Superflares, Strahlungsausbrüche, die unvorstellbare Energiemengen freisetzen, auf der Sonne häufiger vorkommen dürften als erwartet.

Über Wissenschaftler und Akademie

Sami K. Solanki hat an der ETH Zürich studiert und promoviert. Nach Forschungsaufenthalten an der St. Andrews University in Schottland und der Universität von Oulu in Finnland führte ihn sein Weg an das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Seit 1999 ist er dort Direktor. Zu den zahlreichen Ehrungen und Preisen Solankis zählen Ehrenprofessuren der ETH Zürich, der TU Braunschweig und der Kyung Hee Universität in Südkorea sowie der Zdenĕk Švetska Senior Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft, der George Ellery Hale Preis der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft, die Ehrendoktorwürde der Universität Oulu, der Distinguished Scientist Award of the Scientific Committee on Solar-Terrestrial Physics sowie die Julius Bartels Medaille der European Geosciences Union.

Die Royal Society mit Sitz in London ist die weltweit älteste wissenschaftliche Akademie. Sie besteht seit den 1660er Jahren. Zu ihren Mitgliedern, den sogenannten Fellows, zählten unter anderem Isaak Newton, William Thomson und Ernest Rutherford. Aktuell umfasst die Akademie etwa 1900 Mitglieder darunter 85 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger. Neuzugänge werden von de Mitgliedern gewählt. In diesem Jahr wurden 93 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgenommen.

„Ihre Beiträge entsprechen den höchsten Standards wissenschaftlicher Arbeit. Ob sie nun unser Verständnis von Impfstoffen vertiefen oder das transformative Potenzial von Mathematik und Informatik erforschen – ihre Arbeit verdeutlicht den bleibenden Wert von Neugier, Kreativität und wissenschaftlicher Genauigkeit“, so Sir Paul Nurse, Präsident der Royal Society.

Neben Sami Solanki hat die Royal Society zwei weitere Max-Planck-Forschende aus Göttingen zu Fellows ernannt: Melina Schuh vom Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und Ramin Golestanian vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation.