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Otto Bock HealthCare GmbH

EQT übernimmt 20 % am Weltmarktführer

Das schwedische Private Equity-Unternehmen EQT übernimmt 20 Prozent an der Otto Bock HealthCare GmbH und wird damit der erste familienfremde Anteilseigner in 98 Jahren Firmengeschichte des deutschen Hidden Champions in der technischen Orthopädie. Die Investitionsvereinbarung haben beide Seiten am 24. Juni am Stammsitz in Duderstadt unterschrieben. 80 Prozent bleiben weiterhin in den Händen der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG, die zu 100 Prozent der Inhaberfamilie Näder gehört. EQT entsendet einen Vertreter in den sich formierenden zehnköpfigen Aufsichtsrat von Ottobock.
„Wir verbinden die Dynamik von Ottobock als Weltmarktführer in der technischen Orthopädie mit EQT als führendem europäischen Investor im Medtech-Bereich mit umfassender Expertise und einer starken Bindung an die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg. Gemeinsam nutzen wir das Know-how im Medtech-Bereich und die Kompetenz von Private Equity, um noch agiler zu werden, noch schneller auf Zukunft umzuschalten, unsere führende Stellung in der digitalen Transformation weiter auszubauen und versteckte Performance- und Ertragspotenziale zu heben“, sagt Prof. Hans Georg Näder, Vorsitzender der Geschäftsführung der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG. „EQT beflügelt unseren Wachstumspfad und unterstützt uns dabei, in jeder Hinsicht börsenreif zu werden. Gemeinsam werden wir Mehrwert schaffen für Anwender, Mitarbeiter und Anteilseigner. Als Blue Chip im Mittelstand fungieren wir als Blueprint für deutsche Familienunternehmen.“
EQT hat sich in einem sorgfältigen Bieterverfahren, das die Investmentbank J.P. Morgan geführt hat, überzeugend gegen eine Reihe anderer internationaler Topinvestoren durchgesetzt. „Wir sind beeindruckt, von der andauernden Innovationskraft von Ottobock und der Fähigkeit des Unternehmens, den Rahmen für Mobilitätslösungen im Bereich Wearable Home Rehabilitation im Wachstumsmarkt der Human Bionics zu definieren“, sagt Marcus Brennecke, der von München aus die Region Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH) für EQT verantwortet. „Basierend auf unserer Expertise in der Medizintechnik ist EQT einer der aktivsten Investoren auf diesem Sektor und wird ein strategischer Partner für Prof. Näder, das Management und das Unternehmen sein. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und darauf, unseren Teil zum anhaltenden Erfolg von Ottobock beizutragen.“
Gegründet wurde EQT 1994 von Conni Jonsson und dem Investor AB (vor 100 Jahren von der der schwedischen Unternehmerfamilie Wallenberg gegründet). Investor AB hält 19 Prozent des Unternehmens. EQT verfolgt eine nachhaltige und langfristig angelegte Anlagestrategie. Zu den Geldgebern der insgesamt 37 Milliarden Euro umfassenden 24 Fonds gehören gut 400 institutionelle Investoren aus aller Welt, darunter Versicherungen, Pensionsfonds, Stiftungen und Family Offices. Medizintechnik ist ein wesentlicher Branchenschwerpunkt. EQT beteiligt sich gezielt an Familienunternehmen und weitet die Präsenz im deutschsprachigen Raum aus.
EQTs aktuelle Investitionen im Healthcare-Segment umfassen unter anderem Sivantos, den führenden Spezialisten im Hörgerätebereich (ehemals Siemens Audiology Solutions) und den italienischen Hersteller für Endoprothesen, Lima. EQT hat außerdem eine Erfolgsbilanz hinsichtlich mehrerer erfolgreicher IPOs in Deutschland, beispielsweise die in Holzminden ansässige Firma Symrise (gelistet 2006) und Tognum (ehemals MTU Friedrichshafen, gelistet 2007).

Werte eines Familienunternehmens schätzen 

Ottobock verfolgt im Rahmen der Strategie „Roadmap 22“ einen ambitionierten Wachstumspfad in den Bereichen Prothetik, Orthetik, Human Mobility und Medical Care. Das Unternehmen ist hochprofitabel und beschäftigt mehr als 7.000 Mitarbeiter. Es erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 884,5 Millionen Euro.

„Als Marktführer gestalten wir den Wandel in unserer Branche, digital und disruptiv sind positive Bestandteile unserer DNA geworden. Die Ottobock Firmengruppe fokussiert sich weiter auf die HealthCare und ihr profitables Wachstum“, sagt Prof. Näder. „Ich freue mich sehr darüber, dass mit EQT ein Partner an Bord ist, der die Werte eines Familienunternehmens teilt. Nicht zuletzt die Mitarbeiter profitieren von den Wachstumsaussichten in der neuen Konstellation. An einem möglichen Börsengang halten wir weiter fest. Allerdings wird ein solcher Schritt durch den Einstieg von EQT eher später als früher erfolgen.“

Das Geld aus der Transaktion kommt überwiegend dem Unternehmen zugute und dient der weiteren Finanzierung des Wachstums etwa durch Akquisitionen wie jüngst bebionic und BionX. „Die äußerst positive Beurteilung durch EQT hat den Wert des Unternehmens mit 3,15 Milliarden Euro bestätigt“, sagte Näder. Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Kartellbehörden. Der Abschluss, das sogenannte Closing, soll im zweiten Halbjahr erfolgen.
„Die Transaktion ist ein spannender Schritt eines deutschen mittelständischen Weltmarktführers“, sagte Dorothee Blessing, Regional Head Deutschland, Österreich und Schweiz von der beratenden Bank J.P. Morgan. „Die Partnerschaft mit EQT bietet viele Möglichkeiten für die Weiterentwicklung von Ottobock.“
Hans Georg Näder bedankte sich abschließend bei „allen Investoren, die sich in den vergangenen Monaten intensiv mit uns auseinandergesetzt haben, besonders unserem neuen Partner EQT, beim Team um Marcus Brennecke und Johannes Reichel sowie den Beratern von JP Morgan unter der Federführung von Dorothee Blessing, Michele Iozzolino und Juha Anjala und den Anwälten von Freshfields Bruckhaus Deringer unter Federführung von Prof. Dr. Christoph Seibt und Dr. Nils Koffka und von Hengeler Mueller unter Federführung von Prof. Dr. Hans-Jörg Ziegenhain und Dr. Steffen Oppenländer.“ Dank gebühre auch dem Managementteam und den Mitarbeitern von Ottobock, die das Unternehmen hervorragend präsentiert hätten. Näder: „Jetzt gehen wir gemeinsam mit Volldampf in die Zukunft.“





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